Review April 2015

Freitag, 24. April, der letzte Freitag im Monat, es lag in der Luft: Rockaoke in Tübingen. Das würde ein Hammer-Abend werden. Und wurde es. Zehn plus ein Song waren per Webseite und persönlichen Gesprächen vorangemeldet. Einundzwanzig Uhr plus ein paar Minuten: Das Intro – von den Blues Brothers ausgeliehen – Gänsehaut. Wer hat den Mut zum ersten Song auf der Haagtor-Bühne?

»Unser Brasilianer« Marcos rockt mit Born To Be Wild ein. Der Mann steht nicht zum ersten Mal auf der Bühne. Und kann sich nach dem riesigen Beifall wieder den Frauen widmen. Nein, er kommt noch mal…

BegoDas erfahrene Publikum hat derweil gecheckt: die Bandgründerin und Bassfachkraft fehlt, man weiß: Freiburger Lehrerinnen arbeiten auch mal an Wochenenden. Andreas, der Hitschmitz-Shooting-Star, vertritt sie würdig und wuchtig am Bass. Ihre Moderation kann Wolf mit seiner rheinischen Natur locker ersetzen. Auch Julian »Bego« Beger von den Funky Latinos hat sich als perfekter Helfer mit seinem Sax und seiner routinierten Sicherheit nahtlos in die HitHorn-Bläsersection eingereiht. Dass sein Vater ihn am Fotoapparat vertritt ist ein weiteres Highlight der lebendigen HitSchmitz-Community. Und wer sich bei den HitSchmitz ganz genau auskennt, merkt, dass der Mann am Mischpult weiterhin Gabriel heißt, aber diesmal aus Herrenberg kommt und ganz kurzfristig eingesprungen ist. Danke!

Jetzt aber die SängerInnen! Sicher, routiniert bringt Viola – ebenfalls aus Herrenberg – in bester Form Come Together in den Saal und setzt so das Motto des Abends.

Damit die Stimmung nicht im dritten Song durch die Decke geht – immerhin bereitet sich im Stockwerk darüber eine Kommilitonin auf die Zwischenprüfung vor 🙂 – kommt Annas Darbietung ganz richtig. Mit Tears In Heaven erfreut sie die Gäste so gefühlvoll, und gibt zudem Clem Gelegenheit im Duo seine akustische Virituosität auszuspielen.

Dann erfüllt/erfühlt Martin im Duett, diesmal mit Saskia am Piano, den Saal mit Halleluja und seiner absolut sicheren Bühnenpräsenz und macht alle Zuhörer zu Mitsingern. Und Wolf gelingt es, Martin Wild die Zusage zu entlocken: »Ich komme wieder, mit Born to Be: Wild!« Ein schon lange angekündigter Knaller wurde dann Wirklichkeit.

Schon ihre Vorstellung steigerte die Spannung ins nahezu Unermessliche: mit perfektem Outfit und Moves der Güteklasse 1A präsentierte Gela endlich zu Rehabilitation Ihres Kindheitstraumas What’s up. Alles klar!

Siggi tat danach das Beste, was er tun konnte: er wählte einen Beatles-Klassiker, präsentierte ihn souverän und zog mit Yesterday die Haag-Gäste an sein Herz. Und da wusste noch keiner, dass er auch anders kann; später mehr davon.

Ohne Ain’t No Sunshine ist eine Rockaoke-Show in Tübingen nicht denkbar. Und Barbara erfüllte diesen Platz und diesen Song mit dem schüchtern Charme, den wir seit den ersten Shows an ihr mögen.

Um dann wieder Platz zu machen für Siggi, diesmal zusammen mit Andrea. Beat Classic, der Saal jubelte mit beiden zu Satisfaction. Ein gelunger Act!

TobiGefolgt von einem der Höhepunkte. Schnell entschlossen, wie dafür geboren, von Herrenberger Festivals vorgewärmt, riss Tobi die Leine. Der erste deutsche Rockaoke-Song auf Tübinger Bühnen: Danke an die Ärzte für das Kunstwerk Junge und noch mehr Dank an Tobi, der es perfekt präsentierte. Tobender Saal mit Händen oben.

Und ein weiteres Kunst(hand)werk folgte: im mehrstimmigen Satz harmonierte Thomas in California Dreaming perfekt mit den HitSchmitz. Eine Herzlichkeit, die hält.

Einen besseren Abschluss schließlich für das erste Set konnte sich niemand im Saal und auf der Bühne wünschen: Nina, wir nennen sie schon »unsere treue Seele«, brachte sanft und sicher die erste Runde zum Ende: Wish You Were Here!


Die Pause war nötig. Zum Trinken und dem Gegenteil. Also warten wir auf Bernd, den Startsänger des zweiten Sets. Das Warten lohnte sich und Bernd hätte schon nach einer Minute wieder abtreten können: seine Fangemeinde feierte ihn schon vor dem ersten Ton! Mit Recht: sein Ring Of Fire kam tief und fest. Pure Männlichkeit!

Wie arrangiert setzt sofort mit grenzenlosem Charme und höchster Sicherheit Becci eine atemberaubende Frauengestalt in Szene: Ami Winehouse’ Valerie war in besten Händen und mancher summte es noch auf dem Heimweg.

Clara und LaurensDaran war aber noch nicht zu denken, denn nun ereignete sich Rockaoke in der reinsten Form. Clara und Laurens betraten zum ersten Mal die Bühne, wählten zielsicher den Klassiker und interpretierten Summertime in der Form, die George Gershwin bei seiner Komposition im Sinn gehabt haben muss. Ein Traumpaar, wie Porgy and Bess. Kompliment!

Wer dachte »Jetzt ist die Luft raus«, täuschte sich. Sabrina. Dezent am Mikro gelang ihr der Sprung ins aktuelle Pop-Genre grandios. Sie riss mit ihre Stimmsicherheit und der allerfeinsten Intonation bei I Kissed A Girl die Begleitband zur Höchstleistung mit und meisterte sogar die Bridge: Kenner staunten und das Publikum danke ihr lange.

Jede Show hat ihre Innovation: diesen Titel kassierte diesmal die Pusch-Family: vom Familien-Oberhaupt Wolfgang angeführt war Let It Be eine Wolke, auf der sich gut singen ließ. Nicht nur diese fantastischen vier, nein, der ganze Saal sang.

Auch als gute Vorbereitung auf Elmar. Denn wenn er eine Tübinger Bühne betritt, ist Freude angesagt von der ersten Sekunde. Er lieferte den Beweis, dass die Männer der Stadt mit jedem Bendzko mithalten können: geile Performance, geile Stimme, sicher im Ton und absolut tight mit der Band bei Nur Noch Kurz Die Welt Retten.

Sara kam, hatte superschlau ihren eigenen Chor mitgebracht: Vanessa und Marcos und den richtigen Song dazu: Help war ein Flow wie der Neckar durch Tübingen – äh – wie der River Mersey durch Liverpool.

Was wäre die Musikszene in Tübingen ohne die Funky Latinos? Alex hat unser Design geschaffen, Cochino arrangiert uns Songs, Martin macht Stimmung im Saal, Frieder hält uns vertraglich auf dem Laufenden, Bego steht in der Hornsection usw. usf. Traumhafte Kollegen. Und dann kommt ihre schöne Sängerin Ariane und singt den Song, auf den jeder wartet, den jeder gerne spielt und den alle singen wollen: Zombie. Das Publikum war auf den Knien. Die HitSchmitz sowieso.

RogerLasst uns nicht von Steigerung reden: der vorletzte Song nahm den letzten Sauerstoff aus dem Haag. Roger ehrte Joe Cocker mit seiner Stimme und wir dürfen sagen, die Performance stand dem Rock-Gott in nichts nach. Unchain My Heart, der Titel war sein Programm und jeder der dabei war, wird’s nie vergessen.

Danach den Abend stilvoll beschließen, das tat: Florian! Unübertrefflich cool sprach er zu uns, und sang einfach schön – nein: absolut gefühlvoll! – und passend zu der Atmosphäre: Hey Jude.

Ein unvergesslicher Abend für alle.

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